Selbstverteidigungskurs in Gebärdensprache

Der Polizeisportverein St. Pölten ermöglicht es erstmals gehörlosen Frauen an einem Workshop zur Selbstverteidigung / Selbstbehauptung mit Gebärdensprache teilzunehmen.

Nachdem laut Studie (siehe unten) immer mehr gehörlose Frauen Opfer von Gewalt werden kam die Anfrage des  Gehörlosenverbandes Niederösterreich an die Sektion Selbstverteidigung des Polizeisportvereines St. Pölten einen diesbezüglichen Kurs für diese Personengruppe durchzuführen.

Da diese Art von Kursen in NÖ noch nicht angeboten wurden, hat der PSV St. Pölten das sehr wichtige Thema zum Anlass genommen, um erstmals in NÖ unter der Leitung von Trainerin Ulrike Müllner und Sektionsleiter Hugo Schläger in Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterin Mag.a(FH) Bärbel Maria Bauer, die Räumlichkeiten und die Trainer unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Im April 2019 wurde dieser zweistündige Workshop in Zusammenarbeit mit der Gebärdendolmetscherin Birgit Unterhuber vom Gehörlosenverband St. Pölten veranstaltet, in dem den insgesamt 10 Teilnehmerinnen ein Einblick in die Theorie und anschließend in die Praxis der Selbstverteidigung gewährt wurde. Im theoretischen Teil wurden Erlebnisse der Teilnehmerinnen besprochen und analysiert, im praktischen Teil wurde das richtige Verhalten in Bedrohungssituationen geübt.

Nach dem Kurs wurde den Trainern von den Teilnehmerinnen berichtet, dass es ihnen bis jetzt nicht bekannt war was sie durch Gestik und Mimik gegenüber Gewaltangriffen vermitteln können und sie erstmals gemerkt haben „was in ihnen steckt“ und sie durch diesen Abend mehr Selbstvertrauen bekommen haben. Weiters wurde der Workshop von allen Teilnehmerinnen als sehr persönlich,  informativ und wertvoll bezeichnet. Ein Fortsetzungskurs wurde auf vielfachen Wunsch angeregt und wird weiterhin mit der Unterstützung von PSV St. Pölten und Gehörlosenverband NÖ Sektion St. Pölten durchgeführt.

Die Trainer haben gemerkt, dass bei den Teilnehmerinnen die Sensibilisierung  durch Gestik und Mimik viel schneller und stärker angenommen wurde als bei hörenden Personen und die Ausdruckskraft des „Grenzen setzen“  stark verinnerlicht wurde. Auch für die Trainer war die Erfahrung des Arbeitens mit gehörlosen Frauen neu und hat sehr starken positiven Eindruck hinterlassen.

Interessentinnen wenden sich bitte an Fr. Mag.a(FH)Bärbel Maria Bauer:
Gehörlosenverband NÖ, Rennbahnstrasse 43/Top5 (2. Stock), 3100 St. Pölten
Tel.: 02742/21990, Email: office@gehoerlos-noe.at

Studie „Gewalt gegenüber Frauen mit Einschränkung“:
Das Ergebnis einer deutschen Studie (Schröttle, Hornberg 2013) besagt, dass Frauen mit Einschränkung  weitaus häufiger Opfer von Gewalt werden als nicht eingeschränkte Frauen. Frauen mit Einschränkung erlebten lt. dieser Studie mit 60-75 % fast doppelt so oft körperliche Gewalt wie Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Sexuelle Übergriffe sind nach den Studienergebnissen sogar zwei – bis dreimal häufiger festgestellt worden.